Sonntag, 9. Februar 2014

Freundschaft {Short Stories #2}



Eigentlich hatte ich schon gedanklich genau meine short story zum Thema

http://www.waseigenes.com/2014/02/01/freundschaft-short-stories-2/


fertig geschrieben….

…aber dann kam MUDDIs Beitrag und damit war für mich alles gesagt…

 …eigentlich…

…denn eigentlich muss ich beim Thema „Freundschaft“  immer als erstes an meine Freundin Gail denken, weil uns eine ganz besondere Freundschaft verbindet, aber ich fange von vorne an:

Mehr als 30 Jahre ist es her, dass wir uns durch einen Zufall kennengelernt haben. 
Ich habe mich schon immer für ferne Länder interessiert und vor allem Australien hatte mich bereits als Kind und Jugendliche in den Bann gezogen. 
Als ich durch Zufall eine Anzeige in eine für meine Zeit typische Jugendzeitschrift gelesen habe, in dem ein Junge namens Ken D. aus Brisbane, Queensland, Australien eine Brieffreundschaft in Deutschland suchte, schrieb ich sofort einen Luftpostbrief an die Adresse. 
Ich weiß nicht mehr wie lange ich auf Antwort gewartet habe, aber eines Tages lag ein Brief von Gail C.aus dem fernen Brisbane in meinem Postkasten und ich war ganz aufgeregt, dass ich überhaupt eine Antwort erhalten hatte. Dem australischen Jungen Ken D. hatten so viele deutsche Schüler geschrieben, das er einfach kurzerhand die Briefe in der Schule in den Deutschkursen verteilt hatte und so ist Gail an meinen Brief gekommen und hatte geantwortet.

Anfangs haben wir typische Mädchenthemen ausgetauscht. Es wurde über die Familie, den Geschwistern und Familienfeiern geschrieben. Über die erste Liebe, Hobbies und Schule und Studium haben wir erzählt. …und das viele Jahre ohne www… man wartete immer sehnsüchtig auf den nächsten Brief…das waren ganz andere Dimensionen wie wir sie heute haben…

Im Januar 1989, vor 25 Jahren, besuchte mich Gail nach einem Aufenthalt in Japan in Deutschland, um vier Wochen zu bleiben. Ich weiß noch genau, wie meine Eltern und ich sie vom Hamburger Flughafen abgeholt haben. Ich war so aufgeregt und bemerkte trotzdem sofort die Stille und Traurigkeit, die Gail mitbrachte. Ganz vorsichtig sind wir uns anfangs näher gekommen, es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn eine Brieffreundin, mit der man sich bereits 8 Jahre geschrieben hat, plötzlich richtig vor einem steht. Auf beiden Seiten war aber gleich ein Gefühl der Vertrautheit vorhanden, als wenn wir nur kurz getrennt gewesen wären. Zu Hause wurden die Heizungen erst einmal höher gedreht und warme Pullover rausgesucht, um die winterlichen Temperaturen für Gail angenehmer zu machen. …und nachdem sie „aufgetaut“ war, erklärte sie auch, dass sie nur so traurig in Hamburg gelandet ist, da sie eine anstrengende Zeit in Japan hatte und sich dort von ihrem damaligen Freund und  jetzigen Ehemann trennen musste, was ihr unglaublich schwer fiel. Wer kann das nicht besser verstehen als eine gute Freundin! Wir hatten eine unglaublich schöne Zeit und der Tag des Abschieds war so schwer, denn durch das persönliche Kennenlernen ist unsere Freundschaft noch viel tiefer geworden.

...sogar die regionale Zeitung hatte damals berichtet...

1992 nach meiner Ausbildung und Studium bin ich dann nach Australien geflogen. Ich fühlte mich gleich zu Hause. Gails Familie und Freunde machte es mir sehr leicht, mich sofort heimisch zu fühlen. …und wir beide stellten fest, dass unsere Mütter sich unglaublich ähnlich waren, sie hätten Schwestern sein können. Vielleicht ist auch das Geheimnis, warum unsere Freundschaft über eine so weite Entfernung noch immer so tief ist. Hätte ich damals meinen Göttergatten noch nicht gekannt, ich glaube, ich wäre dort geblieben.


Mit der Zeit heirateten wir beide unsere Liebe des Lebens, wir bauten Häuser und bei mir zogen zwei wunderbare Kinder ein, von denen Gail und ihr Mann Paten sind. Durch die geniale Erfindung des WorldWideWeb wurden schneller Nachrichten und Fotos ausgetauscht und das Gefühl der riesengroßen räumlichen Entfernung wurde kleiner. Gail ist der Grund, warum ich blogge, bei fb und instragram zu finden bin. 

Der letzte persönliche Besuch von ihr war vor gut 10 Jahren. Da ist sie mit ihrem Mann zu uns gekommen und hat nun auch endlich persönlich ihre Patenkinder in den Arm nehmen können. 



Die gemeinsame Zeiten, die wir miteinander erlebt haben, möchte ich nicht missen, obwohl es mir jedes Mal unglaublich schwer fällt, davon zu erzählen oder zu schreiben. Jedes Mal, wenn der Tag des Abschied bevorstand, mussten wir uns ganz schnell trennen, da der Schmerz unbeschreiblich war. Auch jetzt, wenn ich darüber schreibe, kann ich meine Tränen nicht zurückhalten und es tut einfach weh, dass ich nicht einmal schnell zum Kaffee bei ihr reinschauen kann.

Obwohl wir in zwei unterschiedliche Kulturen und Sprachen aufgewachsen sind und so eine wahnsinnig große Entfernung zwischen uns liegt, ist unsere Freundschaft für mich eine der längsten, tiefsten und innigsten Freundschaften, die ich habe. Warum das ist? Ich weiß es nicht! Wenn mich jemand danach fragt, sage ich immer, dass wir in unseren früheren Leben bestimmt mal Schwestern waren. …und Seelenschwestern sind wir immer noch….



17 Kommentare

  1. Was für eine tolle Geschichte und wunderbare Freundschaft ♥

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  2. Wow...das ist ergreifend und soooo schön!
    Halte an Eurer besonderen Freundschaft fest!
    liebr Grüße Tina

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  3. Oh davon wusste ich ja gar nicht! Was für eine wundervolle Geschichte zu einer besonderen Freundschaft! <3 Aber auch mir kullern hier die Tränen. Wow. Ich drück Dich mal!!

    Ganz liebe Grüße
    Sarah

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  4. Oh, wie wunderbar...so eine lange Fernfreundschaft! Ach, da bin ich schon ein wenig neidisch, ich hatte immer Brieffreunde in DK, aber so ab 16 hat sich das dann ein wenig aufgelöst!
    Ich wünsche euch noch viele wunderbare Jahre!!!
    Kram,
    Maren

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  5. Das ist aber eine schöne Geschichte <3. Wie wunderbar. Wirklich eine ganz besondere Freundschaft. Danke, dass du davon erzählt hast, das ist echt sooooo toll. Schluchz.
    Und liebe Grüße
    Luci

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  6. Liebe Sandra,

    das ist eine wunderschöne Geschichte, toll, so eine Freundin zu haben!

    LG
    Heike

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  7. Liebe Sandra, da hab ich jetzt aber einen Kloß um Hals, was für eine wunderschöne Geschichte, ich wünsche Dir noch viele schöne Momente mit Gail
    GglG Heike

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  8. Hach, Sandra, so eine schöne Geschichte! Schiete, dass zwischen uns auch ein paar Km zuviel sind, um zu sagen: "Kommst du heute Nachmittag auf ´nen Kaffee vorbei?" Sonst hätte ich das jetzt nämlich gesagt ;o)
    Liebe Grüße, Claudia

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  9. ich hatte eine Gänsehaut als ich das gelesen habe ... sehr schön. und liebe Grüße an Gail

    lg
    Michaela

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  10. Puh erstmal ns Taschentuch prusten ! Ich weiss ja bereits um Deine tolle Freundschaft mit Gail .Aber es noch mal zu lesen ist so schön ! Danke das wir an Deinen Gedanken teilhaben durften <3
    Ich bin auch ziemlich froh ,dass ich dich kennengelernt habe :0)
    Drück Dich und Liebe Grüsse
    Kerstin

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  11. Danke für diese wunderschöne Geschichte, liebe Sandra ♥
    Freundschaft.... was wären wir ohne sie.

    Ich drück dich tüchtig und wünsch dir eine wunderschöne Woche.

    Liebsten Gruß
    Paula

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  12. Ich wünsch euch viele gemeinsame Erlebnisse, trotz der großen Entfernung.
    Liebe Grüße, Brigitte

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  13. Was für eine zu Herzen gehende Geschichte. Man spürt, wie nahe ihr euch seid, trotz dieser Riesenentfernung. Auch das Foto, so schön... Ich wünsche euch, dass ihr euch auch mal wiedersehen und in die Arme schließen könnt! Lieben Gruß Ghislana

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  14. Gänsehaut pur, eine nicht alltägliche Geschichte. Danke fürs (Mit)Teilen.
    LG
    Annette

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  15. Wow...was für eine wundervolle Freundschaft!!! *Tränewegwisch*

    Ganz liebe Grüße, Doris!

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  16. Liebe Sandra, ich bin sehr berührt von Deiner Geschichte!
    Viele Grüsse Marina

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